Erfahrung als langjähriger Schütze

Schützen im Anschlag

Ein Gespräch zwischen dem Ehrenschützenmeister Josef Pauli sen. (PJ) und dem 3. Schützenmeister Klaus Schokolinski (KS), geführt aus Interesse am Schießsport und dem Vereinsleben.

Der Dialog wurde bei einer halben Weiße und einer Brotzeit in der gemütlichen Umgebung der Familie Pauli sen. geführt und mitgeschnitten. Das gesamte Interview kann beim Ehrenschützenmeister bei Bedarf nachgefragt werden.

 

 KS: Sepp, seit wann bist Du Mitglied im Schützenverein?

PJ: Ich bin seit 1954 Mitglied.

 

 KS: Das sind?

PJ: Ja, das sind jetzt gut 58 Jahre.

 KS: 58 Jahre Mitglied im Schützenverein.

PJ: Ja, stimmt genau.

 

 KS: Kannst Du Dich noch an die Gründe erinnern, warum du in den Schützenverein eingetreten bist?

PJ: Ja, das weiß ich noch wie heute! Wir waren  3 Spezi, die immer in die Berge gefahren sind und die viel mit dem Rad unterwegs waren. Der Schützenverein hat erst im Herbst- im Spätherbst –angefangen und da haben wir uns gedacht: “Eigentlich eine gute Idee für den Winter, von Haus aus ist das eine gute Gesellschaft, da schauen wir doch mal vorbei.“ Die haben früher noch im Keller, oder in den Wirtsstuben geschossen, so raus in die Küche. Und das hat uns dann gut gefallen und so sind wir alle 3 dabei geblieben.

 

 KS: Wie unterscheidet sich Deiner Ansicht nach der Schützensport von anderen Sportarten?

PJ: Tja……, ich glaube das der Schützensport ein Sport ist, den du (damals konnte man ja erst ab 18 eintreten heute ja schon ab 12) dann so lange betreiben kannst, wie es deine körperliche und geistige Verfassung zulässt. Dazu musst du keine Höchstleistungen bringen. Im Gegenteil, durch die Erleichterungen die zwischenzeitlich zugelassen wurden, wie Auflagebock, Schlinge oder altersabhängig das Schießen im Sitzen, ist es ein altersunabhängiger Sport geworden bzw. geblieben. Das ist es eigentlich was den Sport im Gegensatz zu anderen Sportarten ausmacht.

 

 KS: Jetzt hast Du mir schon ein paar Antworten vorweggenommen. Ich wollte auch noch wissen, was der eigentlich Grund ist, warum Schießen ein Sport ist, der für Jugendliche, im Mittelalter und Ältere immer gleich interessant ist?

PJ: Genau, die Jugend ist natürlich noch ehrgeizig. Man ist ja eigentlich von Haus aus immer ehrgeizig, so am Anfang, wenn man will. Und der Schützenverein hat natürlich, oder besser der Schießsport insgesamt, hat den Vorteil, dass du immer für dich allein verantwortlich bist.
Du bist nicht für den Schiedsrichter verantwortlich oder für irgendjemand der sagt: „Du warst jetzt gut!“ Wenn du schlecht schießt, bist du schlecht und wenn du gut bist, dann bist du gut.
In entscheidenden Moment, du musst natürlich auch körperlich gut drauf sein, zählt die Disziplin, das ist das ganze A und O. Ein Schütze muss eine „narrische“ Disziplin haben.

Wenn du heute den Fußball anschaust oder irgendwas s anderes, da geht’s immer laut zu.

Beim Schützensport dagegen, geht es immer sehr diszipliniert zu. Das muss es auch, nicht auch zuletzt wegen der Sicherheit.

 

 KS: Das heißt eigentlich, der Schütze ist immer auf sich selber gestellt, aber wie ist es dann beim Mannschaftsschießen, ist er dann nicht auch für die Mannschaft verantwortlich?

PJ: Das ist selbstverständlich,  beim Mannschaftsschießen muss  er seine Leistung einbringen und wenn er dann mal an Tag dabei hat und ein wenig versagt, dann haben dies alle mit zu tragen. Sonst geht es nämlich nicht. Grundsätzlich sollte der Sportschütze  immer  geistig und körperlich wenigstens ein bisschen fit sei.

 

 KS: Hattest Du mal Zeiten, wo Du dachtest, jetzt hörst du auf?

PJ: Das Schießen selber eigentlich nie. Ich war trotz meiner Teilnahmen am Rundenwettkampf zwar nie der Superschütze, aber das Schießen deswegen aufgeben, nie!

Nur wenn du solange wie ich, von 1960 bis zum heutigen Tage, im Ausschuss bist,  und davon 15 Jahre Schützenmeister, also wenn du so im Vorstand tätig bist, da kam schon mehrfach mal der Gedanke alles hinzuschmeißen.
Aber wie gesagt, nicht wegen dem Schießen oder wegen der Geselligkeit mit den anderen Schützen oder so, deswegen kamen solche Gedanken eigentlich nie!
Mein Leben hat eigentlich immer nur bei den Schützen gespielt. Meine ganzen Urlaube oder sonst was, haben wir familienmäßig eigentlich nur für die Schützen verplant. Wir sind nicht in den Urlaub gefahren, wenn bei den Schützen was war. So war, in der Zeit in der ich bei Schützen anfing, mindestens einmal im Monat irgendwo eine Fahnenweihe oder ein anderer Schützenverein hat neu angefangen. Wir waren immer! Und so war eigentlich das ganze Familienleben den Schützen gewidmet.

 

 KS: Zum Abschluss eine kurze Frage: Welche Bedeutung hat Deiner Meinung nach ein Schützenverein, so wie unser Verein in Höhenkirchen gelebt und geführt wird, für die Gemeinde?

PJ: Hmmm?! Für die Gemeinde? Die Schützen waren eigentlich derjenige Verein den die Gemeinde immer gehabt hat und auf den sie immer gebaut hat, weil die Schützen neutral sind. Andere Vereine hängen irgendwie immer dazu oder brauchen irgendjemand anderen. Aber der Schützenverein, der war und ist parteipolitisch neutral, wie es ja auch in der Satzung vorgegeben ist. Da hat es nie parteipolitische Rangeleien oder sonst etwas gegeben.

Unser Schützenverein mit all seiner Tradition ist mehr als 125 Jahr alt. Der gehört zu der Gemeinde, der ist in der Gemeinde verwachsen. Das ist natürlich auch bei der Feuerwehr oder den Kriegern so. Aber der Schützenverein, der war immer da. Und das waren früher die Leute, wie man es heute kaum noch kennt, es waren die Förster und des waren die Jäger. Es ist einfach schon aus der Tradition heraus bei den Schützen wie nirgendwo anders. Es gibt ja nicht umsonst mehr Schützenvereine als Fußballvereine.
Also: Bei den Fußballern ist ja auch immer so: Jugend ist dabei, dann hört es familienplanungs und berufsmäßig bedingt mal auf. Bei den Schützen ist das anders, wer einmal ein richtiger Schütze ist, der kommt, auch wenn er mal eine Auszeit nimmt, wieder und ist dann auch wieder gerne aufgenommen. In der Gemeinde steht ein Schützenverein, auch als fahnentragender Verein, immer gut da.

 

 KS: Wenn Du an die Zukunft denkst, war würdest Du dem Schützenverein - uns – wünschen, bzw. was sollte bleiben, anders oder besser werden?

PJ: Das ist schwer etwas zu sagen oder zu raten. Der Jugend wird hier in Höhenkirchen und heute allgemein durch die Technik und die Nähe von Höhenkirchen zur Stadt München sehr viel mehr Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Und dadurch ist es und wird es wahrscheinlich immer schwieriger, die Jugend zusammen zu bekommen und verantwortliche Personen zu finden, die einem Verein beitreten und ggf. beim Verein auch ein Amt übernehmen wollen.
Die Vereine werden strukturell auch immer älter, die Mittleren sind nicht mehr die 30 – 40 jährigen, es sind jetzt die zwischen 40 – 50, oder sogar 60 Jahren. Diese Gruppe dazu zu bewegen ein Amt zu übernehmen, das wird wahrscheinlich immer schwieriger werden, weil in unserer Zeit alles dermaßen schnelllebig geworden ist und was noch vor 10 oder 20 Jahr gut war, kannst heute schon vergessen.

Unsere 3 Kinder und 6 Enkel waren natürlich auch alle beim Schützenverein.
Gerade erst kürzlich haben wir für unsere Familie festgestellt, dass wir 3 Schützenmeister - Frei nach dem Motto „Wenn ihr keinen habt, dann übernehmen wir es“ - gestellt haben. Aber es wird wohl immer schwieriger werden irgendjemand zu finden, der bereit ist ein Amt zu übernehmen und einen Verein zu leiten

 

 KS: Sepp, ich bedanke mich für das Gespräch in gemütlicher Runde und hoffe, dass Du weiterhin viel Spaß beim Schießen und am Vereinsleben hast.

PJ: Danke schön, gern geschehen.